Geschichte

Das Projekt des Architekten Francesco Bartolomeo Rastrelli zur Gestaltung der Gartenanlage wurde gleichzeitig mit dem Bau des Schlossgebäudes von 1736 bis 1740 durchgeführt. Die Zufahrt zum Schloss wurde bereits im 18. Jahrhundert – im Unterschied zum Projekt – nicht als die zentrale Achse des Schlossensembles angelegt.

Archivurkunden enthalten ausführliche Informationen zu der Parkgestaltung; einzelne Dokumente berichten auch  über die Auswahl der Pflanzen. Es werden nicht nur die an den Herzog gelieferten, sondern auch die nach der Verhaftung des Herzogs Ernst Johann in Beschlag genommenen Pflanzen genannt.

In zahlreichen Urkunden werden die für die herzoglichen Gärten nötigen Blumen und Orangeriepflanzen aufgezählt. Diese Listen zeigen, dass, trotz der ungeeigneten Wetterlage für südliche Obstbäume in Lettland, in Gärten des Herzogtums Kurland auch die in Handbüchern zur Gartengestaltung des 18. Jahrhunderts beschriebenen Pflanzen gezüchtet wurden. In Obstgärten des Herzogs wuchsen unter anderem auch Aprikosen und Pfirsiche. Im Jahre 1767 wurden Bassins errichtet. Ursprünglich sollten vor dem Schloss drei Springbrunnen gebaut werden, jedoch wurde dieser Projektteil nicht verwirklicht. Der Springbrunnen, von vier ornamentalen Parterres eingefasst, läuft erst seit 2008. Der regelmäßige Garten war von einer Feldsteinmauer umfasst, die in den 1770er/80er Jahren aufgeführt worden war.

Den Park haben die europäischen Modetendenzen des 19. Jahrhunderts – anstelle regelmäßiger Gärten englische Landschaftsparks anzulegen – nicht beeinflusst. Die 1974 durchgeführte Inventur der Bäume sowie die vorhandenen Pläne zeigen, dass die Bäume im 19. Jahrhundert gemäß dem Plan von F. B. Rastrelli gepflanzt worden waren. Nur der Platz mit den ornamentalen Parterres war durch Anpflanzungen von Pappeln und Fichten sowie durch kreisförmige Blumenbeete umgestaltet worden.

Die Parkanlage wurde bis zum ersten Weltkrieg regelmäßig gepflegt, später war der Garten verwildert. Kleine Arbeiten zur Gartenpflege wurden nach 1930 durchgeführt, als die Parkanlage in Rundāle vom Denkmalamt in die Denkmalliste eingetragen  worden war. Die Parterres wurden wiederhergestellt, Kanäle gereinigt und alte Bäume ausgeholzt.

04 Rastrelli situacija

Situationsplan des Schlosses Rundāle von F. B. Rastrelli 1735/36. Das Schlossensemble mit dem regelmäßigen Park und Jagdwald, verbunden durch fünf radiale Alleen.

 Bis 1739 wurden 32 818 Linden, 500 Kastanien und 188 Eichen gepflanzt. Im Obstgarten wurden 95 Birnen, 1555 Apfelbäume, 40 Pflaumen- und 20 Kirschbäume gepflanzt. Es wurde auch mit dem Graben des Kanals begonnen.

In der zweiten Bauperiode von 1763 bis 1768 wurde die Parkgestaltung fortgesetzt. 1768 wurde ein Teich für die Bewässerung der Kanäle gegraben. Um 1774 wurden zwei Obstgärten sowie ein Hopfengarten und ein „Weinberg“ angelegt. 1787 wurden in den Obstgärten auch Pfirsiche und Aprikosen gepflanzt. Von 1774 bis 1781 wurde eine Feldsteinmauer um den Park herum aufgeführt.

Nach der Angliederung des Herzogtums Kurland an Russland 1795 wurde das Schloss dem Grafen Valerian Subow übergeben. Unter den Bediensteten des Landgutes gab es damals auch einen Gärtner mit zwei Gehilfen.

In einem Inventarverzeichnis von 1802 werden Obstgärten mit Pfirsichen, Aprikosen, Pflaumen, Birnen und Weinreben an einer Feldsteinmauer erwähnt. Im Garten gab es auch eine Kastanienallee. An den Garten schloss ein großer Jagdpark an.

Rundale  litografija 1820 gadi

Die regelmäßige Parkanlage um 1820. Lithographie von F. Krause nach einer Zeichnung von F. Bach.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurden die ornamentalen Parterres modernisiert – hier wurden Pappeln gepflanzt und Blumenbeete gestaltet. Im anderen Teil des regelmäßigen Gartens wurde die ursprüngliche Planung von F. B. Rastrelli bewahrt.

1875gDer regelmäßige Garten. Foto von 1875.
Anstelle der Parterres  gibt es einen Rasenplatz, im Vordergrund
Pappeln und Fichten.
In einem Dokument von 1882 wird erwähnt, dass es im Park Alleen aus gestutzten Bäumen gibt.

Zuletzt aktualisiert
18.08.2011

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