Paraderäume des Herzogs

Den Hauptteil des Schlosses nehmen die ehemaligen herzoglichen Appartements und einige Paraderäume ein. Es waren nicht nur die Privatgemächer des Herzogs, sondern auch ein für das Hofleben wichtiger Rahmen. In zwei parallel laufenden Enfiladen reihen sich zwanzig Räume aneinander.

Vorraum zu den herzoglichen Appartements

Auf der Deckenverzierung im Vorraum zu den herzoglichen Appartements sind Lorbeerkränze – Merkmale des frühen Klassizismus – zu erkennen. Die Gemälde, die hier die Wände schmücken, behandeln vorwiegend religiöse Themen und stammen von italienischen und flämischen Barockmeistern. Unter diesen zeichnen sich besonders das Gemälde des italienischen Malers Federico Barocci „Die Grablegung“, „Faune und Bacchantinnen“ von Giulio Carpioni und „Die heilige Familie“ von Benedetto Luti aus.

Bibliothek

Die Bibliothek befindet sich am Ende der Enfilade. Aus dem ursprünglichen Mobiliar der Bibliothek ist ein in Eichenholz geschnitzter Bücherschrank erhalten, der als Vorlage für die Anfertigung von 11 Kopien gedient hat. Dies bot die Möglichkeit, den Raum entsprechend der Einrichtung während der herzoglichen Zeit zu gestalten. Allegorischer Inhalt des Deckengemäldes wird durch die Sentenz des römischen Schriftstellers Plinius verdeutlicht: “Laborem in victoria nemo sentit (im Sieg spürt man die Arbeit nicht).” Diese Inschrift steht auf dem Schild, den die zentrale – die Siegesfigur – trägt. Dem Frieden und dem Überfluss werden die Streit- und Rachsucht gegenübergestellt. Das Gemälde hat stark durch die Nässe gelitten; außerdem ist es in den 1890er Jahren übermalt worden. Die Konservierung des Plafonds dauerte von 2004 bis 2009, und im Jahr 2014 wurde dank der Finanzierung der Stiftung von Boris und Ināra Teterew die komplette Restaurierung des Raumes fertiggestellt, was gleichzeitig einen symbolischen Abschluss der Erneuerung des Schlossinterieurs bedeutete.

 

Rosenzimmer

Das Rosenzimmer ist eine der größten Überraschungen in dieser Enfilade. Konsequenter als irgendwo anders in Rundāle sind hier die beliebten Motive der Rokokoschlösser in Berlin und Potsdam – der Kunstmarmor, die Polychromie der Blumen und die Versilberung anstatt der Vergoldung – verwendet. Auf dem Deckengemälde ist die Frühlings- und Blumengöttin Flora mit ihren Begleiterinnen dargestellt; dieses Thema wird an den Wänden fortgesetzt. Hier befindet sich einer der zwei Parkettfußböden, die im Schloss aus der ersten Bauperiode erhalten sind. Der Lüster datiert in die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts und stammt aus einer kurländischen Glashütte.

 

Raum mit holländischen Gemälden

Der Raum mit holländischen Gemälden spiegelt die ehemalige Einrichtung des Schlosses wider: im 18. Jahrhundert gab es in Rundāle hauptsächlich Gemälde holländischer Meister, unter anderem auch „Simeon und Hannah im Tempel“ von Rembrandt, das sich heute in der Kunsthalle Hamburg befindet. Unter den bedeutsamsten Werken seien hier die von Jacob van Ruisdael, Jan Hackaert, Jan Frans Soolmaker, Frederik de Moucheron, Otto Marseus van Schrieck, Johannes van der Bent, Egbert van Heemskerk, Klaes Molenaer genannt. Der Stuhl mit dem Monogramm Herzogs Peter aus der herzoglichen Loge in der Kirche zu Sāti gilt als ein seltenes Beispiel für die kurländische Möbelkunst des Rokoko.

 

“Herrschersalon”

Im “Herrschersalon” sieht man die Porträts der Vertreter des Hauses Biron sowie die der damaligen Herrscher Europas: die russischen Kaiserinnen Anna Joanowna, Elisabeth Petrowna und Katharina II. wie auch den Kaiser Peter III. von Russland.

 

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Paradeschlafzimmer des Herzogs

Im Zentrum der Enfilade befindet sich das Paradeschlafzimmer des Herzogs. Seine Decken- und Wandgestaltungen sind auf die zweite Bauperiode zurückzuführen; das Parkett und die zwei Kachelöfen, angefertigt 1740 von dem Danziger Töpfer Gottfried Kater, stammen aus der ersten Bauetappe. Diese Öfen sind im Schloss die einzigen, die nie zerstört oder versetzt worden sind. Die Wiederherstellung der Alkovennische, dessen vergoldeten Schnitzereien 1919 vernichtet worden waren, wurde nach alten Fotos 1990 fertiggestellt. Das kunstvolle Parkett wurde 1739 nach einem Entwurf von F. B. Rastrelli angefertigt, heute ist es dank der finanziellen Unterstützung durch Ernst-Johann Prinz Biron von Curland restauriert worden. Das mittlere Fenster des Raumes gilt als ein symbolischer Zusammenfluss der strahlenförmigen Parkalleen.

 

Audienzkabinett

Das Mobiliar des Audienzkabinetts ist im Stil Louis XVI. gehalten, den Herzog Peter bevorzugte. Die Kommode aus schwarzem Lack – ein Werk des französischen Ebenisten Jean-Henri Riesener – ist das wertvollste Stück in der Möbelsammlung des Museums. An der Decke ist der Mythos von Venus und ihrem Geliebten Adonis dargestellt. Eine feierliche Atmosphäre wird diesem Raum durch dunkelrote Tapeten aus Seidendamast verliehen.

 

“Italienischer Salon”

Der “Italienische Salon” spiegelt die Liebe Herzogs Peter zu Italien wider. Er ist viel gereist und hat sich auch in Italien aufgehalten, wo er einen Preis an der Kunstakademie Bologna gestiftet hat. Die italienischen Eindrücke werden durch Ansichten Roms in Kupferstichen von Giambattista Piranesi sowie durch die andere Kunstwerke zum Ausdruck gebracht. Die entlang der Wände geordneten Stühle aus dem Klassizismus sind Kopien eines Originalmusters – des einzigen, der von der Einrichtung aus der Zeit von Herzog Peter erhalten geblieben ist.

 

Herzoglicher Speisesaal

In Kunstmarmor gearbeiteten Wände des herzoglichen Speisesaals auszeichnen sich durch zurückhaltende graue und bläuliche Töne. Im Gegensatz dazu steht die reiche und prachtvolle Deckengestaltung. Diese Ausstattung bildet einen hervorragenden Hintergrund für die Büsten der Herzogin Dorothea, des Herzogs Peter und seiner Töchter. Hier werden auch einige Stücke aus dem sog. „Kurländischen Service“ gezeigt, der in der Königlichen Porzellanmanufaktur Berlin im Auftrag von Herzog Peter um 1787 anfertigt wurde und noch heute hergestellt wird. Die drei Lüster sind im letzten Viertel des 18. Jahrhunderts in einer Glasmanufaktur in Nordkurland hergestellt worden.

 

Billardsaal

Die Einrichtung des Billardsaals spiegelt den ursprünglichen Zweck dieses Raumes wider. Hier gibt es nicht nur einen nach Entwürfen des 18. Jahrhunderts rekonstruierten Billardtisch (sog. Carambolagetisch), sondern auch anderes Zubehör für Salonspiele des 18. und 19. Jahrhunderts. Das Deckengemälde behandelt hier das Thema des Zankapfels. Der Raum ist mit drei Gemälden von Friedrich Hartmann Barisien geschmückt.

23.09.2021

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