Die Geschichte des Schlosses Mežotne begann 1795, als die russische Kaiserin Katharina II. das Gut Mežotne Charlotte Margarete von Lieven (1743–1828), der Erzieherin ihrer Enkelkinder, zur Nutzung auf Lebenszeit überließ. 1797 erklärte der Nachfolger von Katharina II., Paul I., das Gut zu ihrem Familieneigentum. Noch im selben Jahr beschloss Charlotte von Lieven, in Mežotne ein neues Herrenhaus zu errichten.
Zuvor hatte Johann Friedrich von Medem das Gut Mežotne über mehrere Jahrzehnte gepachtet, und eben dort wurde 1761 seine Tochter Anna Charlotte Dorothea geboren – die spätere Herzogin von Kurland und Semgallen und Gemahlin von Herzog Peter.
Der Bau des Schlosses Mežotne begann 1798 unter der Leitung des deutschen Architekten J. G. A. Berlitz. Als Grundlage diente der Entwurf des italienischen Architekten Giacomo Quarenghi für das Schloss Eleja (Elley), den Berlitz durch seitliche Quertrakte ergänzte. Der Bau wurde 1802 abgeschlossen; die Arbeiten zur Innenausstattung (Stuckverzierungen und Malereien) zogen sich bis 1817 hin.
Im September 1818, als Charlotte von Lieven die russische Großfürstin Maria Fjodorowna auf einer Reise nach Deutschland begleitete, traf sie im Schloss Mežotne ein, reiste jedoch bereits am frühen nächsten Morgen weiter. Dies war das erste und einzige Mal, dass die Gutsbesitzerin Gelegenheit hatte, ihr neues Haus zu besuchen.
Nach dem Tod von Charlotte von Lieven im Jahr 1828 erbte ihr jüngster Sohn Johann Georg (1775–1848) das Gut, der den Innenausbau des Schlosses vollendete. Nach ihm ging es an Paul Hermann (1821–1881) über, in dessen Zeit das Wirtschaftsensemble des Gutshofes Mežotne fertiggestellt wurde.
1881 erbte Mežotne Paul Hermanns Sohn Anatol Lieven (1873–1937), der seine Karriere in St. Petersburg begonnen hatte, 1908 jedoch aus der Armee austrat und nach Mežotne übersiedelte. 1920 verlor Fürst Anatol Lieven infolge der Agrarreform sämtlichen Grundbesitz, mit Ausnahme des Gutes Mazmežotne (Klein-Mesothen) am gegenüberliegenden Ufer der Lielupe, das bis 1939 der Familie Lieven gehörte.
Im September 1944 wurde das Schloss durch Artilleriebeschuss der Roten Armee teilweise zerstört. 1959 begann der Wiederaufbau des Gebäudes, der sich bis 1989 erstreckte. Im Jahr 2001 erfolgte die Rekonstruktion des Schlosses, und im dritten Stock wurde ein Hotel eingerichtet.
Die Hoffassade des Schlosses mit ihrem Viersäulenportikus sowie die Parkfassade mit der Halbrotunde entsprechen dem Entwurf von G. Quarenghi. Die Paraderäume befinden sich im Obergeschoss des Gebäudes. Im Zentrum der Enfilade liegt der Kuppelsaal – der bedeutendste klassizistische Raum in Lettland. Als dessen Vorbild dienten die Elemente des Pantheons in Rom. Im dritten Stock waren die Wohnräume und Gästezimmer eingerichtet. Archivmaterialien belegen, dass die Innenräume des Schlosses einst mit Kunstwerken und kostbaren Möbeln gefüllt waren, die den aristokratischen Charakter der Lieven-Residenz unterstrichen.
Neben dem Schloss erstreckt sich ein zehn Hektar großer Park, dessen Anlage gleichzeitig mit dem Bau des Schlosses begann. Er zählt zu den am besten gestalteten und gepflegten Landschaftsparks in Lettland.
14.07.2025